Am 26. April 1986 explodierte kurz nach Mitternacht der Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Sowjetunion. Es war kein alter, maroder Reaktor, er war noch nicht einmal 3 Jahre in Betrieb. Aber durch Fehler des Reaktorpersonals kam es im Rahmen einer Testroutine zum Super-Gau. Die Ruine des Reaktors brannte tagelang, riesige Mengen an radioaktiven Partikeln wurden freigesetzt und breiteten sich in der Atmosphäre aus. 2 Tage nach dem Unfall bemerkte man in Schweden erhöhte Radioaktivität, bis dahin hatten die sowjetischen Behörden die Katastrophe geheim gehalten.

– Aber was hat das mit der Flüchtlingshilfe zu tun? –
Gut 7 Jahre nach dem Reaktorunfall kommt die 10-jährige Maria (Name geändert) aus Kiew in den Papenteich. Sie ist eines der „Tschernobyl-Kinder“, die in den Jahren nach dem Reaktorunfall im Sommer für 4 Wochen ins Ausland verschickt wurden, damit sie sich erholen. Zwar ist Kiew rund 100 km von Tschernobyl entfernt, aber die ganze Region war und ist noch heute einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt, die besonders für die Kinder gefährlich ist.
In ihrer Gastfamilie in Adenbüttel lernt Maria die 2 Jahre ältere Birgit kennen (die in Wirklichkeit auch anders heißt), die beiden werden Freundinnen und sehen sich in den folgenden Jahren regelmäßig in den Sommerferien, auch die Eltern der beiden lernen sich kennen und besuchen sich gegenseitig, bis 2001 das Verschickungsprogramm endet. Birgit und Maria sind nun erwachsen, sie halten aber weiterhin Kontakt.

Am 24. Februar 2022 überfallen russische Truppen die Ukraine. Siegessicher nähern sie sich der Hauptstadt Kiew und kommen dabei auch bis vor das Dorf am Rande von Kiew, wo Maria mittlerweile mit Mann und Kind lebt. Die Familie verbringt viele Stunden im Keller, während auch ihr Haus getroffen und beschädigt wird. Der Angriff der Russen kann gestoppt werden, aber die Angst bleibt. Darum beschließt die Familie, dass sich Maria und die 4-jährige Tochter in Sicherheit bringen sollen, sie sollen zu Birgit nach Deutschland.
Am 8. März 2022 brechen Birgit und ihr Mann deshalb mit ihrem Auto auf, um Mutter und Tochter von der ukrainischen Grenze abzuholen. Um nicht mit leerem Fahrzeug dorthin zu fahren, holen sie aus dem Magazin der Flüchtlingshilfe vorher so viele Sachspenden wie möglich, um sie an der Grenze abzugeben.
Am 10. März kommt Maria dann nach rund 21 Jahren wieder nach Adenbüttel, in das Dorf, das sich natürlich verändert hat, mit dem sie aber viele Jugenderinnerungen verbindet. Sie wohnt mit ihrer Tochter zunächst bei Birgit und deren Mann, bis sie eine eigene Wohnung findet.
Mittlerweile sind weitere 4 Jahre vergangen, Maria und Tochter leben immer noch in Adenbüttel, wo vor 35 Jahren die Geschichte von Birgit und Maria begann.

